Gesundheitsjournalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit (1)

Massenmedien machen Informationen allgemein zugänglich und schaffen damit eine grundlegende Voraussetzung der Meinungs- und Willensbildung in der Gesellschaft. Sie haben eine meinungsbildende Funktion, geben soziale Orientierung und sie befriedigen das Bedürfnis der Rezipienten nach Information, persönlicher Identität, sozialer Orientierung und Integration[5]. Zahlreiche Umfragen der letzten Monate deuten darauf hin, dass die theoretischen Vorgaben für den Qualitätsjournalismus unter den gegebenen realen Bedingungen teils vernachlässigt werden, teils aber auch nur bedingt umgesetzt werden können.

Journalisten und Leser haben ein dabei gemeinsames Problem. Das Wissen wächst rasant. Informationen zu einem bestimmten Thema sind heute massenhaft auf Knopfdruck im Internet zugänglich. „Es wächst das Wissen, das man nicht versteht und doch benutzen muss“, formulierte es Norbert Bolz.  Das Informationsangebot kann von einem Einzelnen nicht mehr an der Realität gemessen werden. Die Unsicherheit wächst. „Die Kommunikationswahrnehmung tritt an die Stelle der Weltwahrnehmung“.

Journalismus ist ein Kommunikationsprozess zwischen Journalisten und Rezipienten. Verlief dieser lange relativ einseitig mit dem Journalisten als  Sender und dem Leser als  Empfänger, hat sich das spätestens mit den Kommunikationsmöglichkeiten des Internets geändert.  Der direkte  Kontakt zwischen dem Journalisten und dem  „unprofessionellen“ Rezipienten bietet für beide enormes Entwicklungspotential. Der Journalist muss sich unter den neuen Bedingungen wieder auf seine Kernkompetenz besinnen: Orientierung und Aufklärung liefern und die Kommunikation mit Fach- und Sachkompetenz prägen.

„In einer Wissenskultur, deren Informationsströme vom Vertrauen und Misstrauen Nichtwissender gelenkt werden, ist Glaubwürdigkeit das höchste Gut“ (vgl. von Camphausen).Es sei dahin gestellt, ob die Informationsströme von Nichtwissenden gelenkt oder von Wissenden manipuliert werden – Glaubwürdigkeit bleibt das höchste Gut. Sie beugt Manipulation vor und schafft ein gesundes gegenseitiges Vertrauen. Glaubwürdigkeit kann nur gewinnen, wer zuverlässig Wertarbeit liefert. „Die Deutschen haben wenig Vertrauen in die Medien […] Fehlinformation, Einseitigkeit und schlechte Recherche – das sind […] einige Kritikpunkte an der politischen Berichterstattung. Das Vertrauen sinkt“, titelte Zeit online unlängst. Dies betrifft nicht nur die politische Berichterstattung.

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